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Osternacht

Felix Rinckhoff

Mich fröstelt es, die Knie zittern. Es ist fünf Uhr morgens. In einem Halbkreis stehen wir um das Osterfeuer vor der Kirche. Die Flammen des Feuers werfen Schatten auf unsere Gesichter.

Dann ist es soweit: Der Pastor entzündet die Osterkerze am Feuer, die Türen der Kirche öffnen sich und in einer Prozession ziehen wir in den Kirchraum ein. Der Pastor träg die Kerze vorweg. Es ist dunkel und völlig still. Dir Glocken hängen regungslos im Turm. Die Orgel schweigt. Das Licht der Kerze scheint in das Meer aus Schwarz und Grautönen hinein und zaubert ein goldgelbes Glühen in die Kirche. Die Stimme des Kantors erklingt in der Stille. Die Antwort der Gemeinde füllt den Raum:

Christus ist das Licht.
Gott sei ewig Dank.

Es ist ein uralter Gesang, den Christen über Jahrhunderte in die Dunkelheit und Stille des Ostermorgens hinein singen. Und er wirkt: Das Frösteln weicht einer Gänsehaut und das Licht der Osterkerze erzeugt in mir ein wohliges Gefühl. Ich spüre eine Veränderung: Mir wird warm. Die Feier des Ostermorgens hat trotz ihres hohen Alters auch heute noch eine ungeheure Energie. Das strahlende Licht, das von ihr ausgeht, erfüllt nicht nur die Kirche, sondern auch mich. Es gibt Orientierung, wo es finster ist, und nimmt einen mit an einen hellen Ort.

Ich verlasse die Kirche, es ist Morgen. Die Sonne ist aufgegangen und ich gehe in den Tag.

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