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Mittwoch nach Laetare

Benjamin Fütterer // Paul und Robert

„Jesus saves!“

Ich sehe aus dem Auto. An einem Baum hängt ein kleines, weißes Kreuz. Und darauf diese Worte: „Jesus rettet.“ Fünfzig Meter weiter das nächste Kreuz. Und dann noch eins. Und noch eins. Hier in Nordirland hängen sie an jeder Landstraße. In jedem Dorf. Warum?

Ich erreiche Belfast. Hier bin ich mit Paul und Robert verabredet. Paul, ein ehemaliger Kämpfer der IRA. Robert, ein Angehöriger der protestantischen Miliz. Für ihre Taten während des Bürgerkriegs, mit mehr als 3000 Toten, waren sie beide im Gefängnis.

Aber heute kämpfen sie nicht mehr. Heute zeigen sie mir ihre Stadt. Zeigen, was sie in den letzten 20 Jahren erreicht haben. Wie Belfast sich auf den Weg zum Frieden gemacht hat.

Es ist ein langer Weg. Auch für meine Begleiter ist er noch nicht zu Ende: Paul, der
Katholik, will ein vereintes Irland. Robert, der Protestant, ist weiterhin mit Großbritannien verbunden.

Aber sie kämpfen nicht gegeneinander. Sie wollen den Hass nicht siegen lassen. Auch nicht mit dem Brexit vor der Tür. Paul und Robert sind sich einig: „Die Politik soll uns nicht kaputt machen, was wir – zusammen – erreicht haben. Wir lassen uns unser Belfast nicht wieder zerbomben.“

Das macht Hoffnung. Gerade jetzt. Der Brexit hat die Radikalen wieder auf den Plan gerufen. Aber Paul und Robert wollen nicht mehr kämpfen. Sie wollen nicht, dass Menschen wieder gegeneinander aufgehetzt werden.

Paul und Robert geben mir die Hoffnung, dass es keinen neuen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten geben wird. Wie es in einem englischen Lied heißt: „In Christus gibt es kein Süd oder Nord, sondern eine große Gemeinschaft der Liebe.“ Das sagen mir auch die weißen Kreuze am Straßenrand.

Weiß steht in der irischen Flagge für den Frieden zwischen den Konfessionen. Hoffnung gibt es immer.

„God save Ireland!“

Vikar Benjamin Fütterer

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