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Laetare

Matthias Feil // Ohne Titel

Heute gibt es Spargelspitzen mit selbst gemachter Sauce Hollandaise. Dazu Kartoffeln und – Weißwein, natürlich. Die Köchin selbst trägt es auf. Und mit einem Lächeln im Gesicht wünscht sie Richard einen guten Appetit.
Und der freut sich über das Essen, denn er hat es sich gewünscht.

Für ihn ist es eine besondere Mahlzeit, die viele Erinnerungen weckt.
An eine Zeit, in der er die Spargelspitzen selbst noch gekocht hat, für seine Familie und sich. Der gute Geschmack beim Essen verbindet ihn mit dieser glücklichen Zeit. Seitdem hat sich viel verändert. Richard ist heute im Hospiz. Er hat nur noch wenige Wochen zu leben. Schmerzen und Angst gehören zu seinem Alltag. Und doch erlebt er hier etwas, was man sonst kaum mit einem Ort des Sterbens verbindet: Lebensfreude und ein Festmahl. Die Köchin hat sich genau das zur Aufgabe gemacht: Lieblingsgerichte zuzubereiten für Menschen in ihren letzten Lebenstagen.

Das christliche Hospiz, in dem sie arbeitet, trägt den Namen Kafarnaum.
Das ist der Name eines Ortes aus der Bibel, an dem Jesus Christus Wunder vollbracht hat. Aber geschehen in diesem Hospiz heute auch Wunder?
Es ist ein Wunder, wenn an einem Ort des Sterbens plötzlich Lebensfreude aufblüht. Es ist ein Wunder, wenn die Erinnerung an das Schöne im Leben | die Angst vor dem Sterben | leichter macht. Genau das erleben Menschen im Hospiz Kafarnaum.

Als Jesus einem leidenden Menschen begegnete, fragte er: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ „Was möchten Sie heute essen?“, das fragt die Köchin jeden Tag ihre Gäste im Hospiz. Manchmal sind es die ganz einfachen Dinge, die Freude machen.
Für Richard sind es heute Spargelspitzen und Weißwein. Es ist mehr als eine einfach Mahlzeit: es ist eine Erinnerung, an ein großes und reiches Leben.

Seine Augen glänzen vor Freude.

Vikar Matthias Feil

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