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Karfreitag

Max Apel // Wir setzen uns mit Tränen nieder

Wir setzen uns mit Tränen nieder

von Max Apel

„Wir setzen uns mit Tränen nieder.“
Ich bin 11 Jahre alt, als mir dieser Satz zum ersten Mal begegnet. Damals singe ich im Knabenchor Hannover. Das Konzert wird aufgezeichnet.

„Wir setzen uns mit Tränen nieder“ sind die Worte, die Johann Sebastian Bach gefunden hat, als Jesus tot war. Das ist der Schluss von Bachs Matthäuspassion. Von dem Konzert gibt es eine CD. Einige Jahre später – ich bin 16 oder 17 – sitze ich in meinem Zimmer. Daran erinnere ich mich genau. Es ist Karfreitag. Und ich höre die CD komplett – drei Stunden Musik, drei Stunden Matthäuspassion.
Jetzt bin ich 31. Wieder ist Karfreitag. Und die Musik von Johann Sebastian Bach beschäftigt mich immer noch. Und immer wieder.

„Wir setzen uns mit Tränen nieder.“

Was für ein Seufzen. Was für eine Klage – durch viele Stimmen eines Chores ausgedrückt. Ja, einmal im Jahr setze ich mich mit Tränen nieder. Ich halte inne. Manchmal habe ich Tränen in den Augen.

Einmal im Jahr wird nicht getanzt. Manche stört das.
Einmal im Jahr ist in der Kirche der Altar leer.
Einmal im Jahr sind in manchen Kirchen die Altarflügel geschlossen. Und es kommt auf den Deckeln der Altartüren das zum Vorschein, was sonst verborgen ist: Bilder der Leidensgeschichte von Jesus. Jetzt ist dieser Mensch tot. Ein Mensch, von dem ich glaube: Er ist Gottes Sohn. Und von dem ich glaube: Er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes.

„Wir setzen uns mit Tränen nieder.“ Und Bach ergänzt: „Und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte ruh!“

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