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Katharina Brühl // Gott zieht vor uns her

Kennen Sie Michel aus Lönneberga?

 

Michel ist ein kleiner Junge und lebt auf einem schwedischen Bauernhof. Er ist 6 Jahre alt und es ist ein besonders kalter Winterabend, an dem er mit seiner Familie und seinem besten Freund Alfred in der Küche zusammensitzt. Alfred ist der Knecht des Hofes und er hat Michel das Schnitzen beigebracht. Sie sitzen nebeneinander am Kamin und schnitzen kleine Holzfiguren. Weil Alfred einen kurzen Moment abgelenkt ist, rutscht er mit dem scharfen Schnitzmesser vom Holz ab und schneidet sich tief in den Finger!

 

Aber Alfred ist ein starker Mann und lässt sich seine Schmerzen nicht anmerken. „Das wird schon wieder. Macht euch keine Sorgen um mich“. Nach ein paar Tagen stellt sich heraus, dass er eine Blutvergiftung hat. Michels Vater will ihn deshalb in die Stadt zum Arzt bringen.  Aber der Schneesturm ist so stark, dass er es nicht schafft, den Schlitten aufzubauen. Alle auf dem Hof befürchten, dass Alfred sterben muss. Michel weint viel. „Alfred, du darfst aber nicht sterben! Du bist mein bester Freund!“

 

Michel kann seinen besten Freund nicht sterben lassen. Mitten in der Nacht holt er sein eigenes Pferd aus dem Stall und spannt es vor den Schlitten. Dann hilft er Alfred dabei, sich darauf zu legen und sie fahren los. Durch den Sturm kommen sie nur sehr langsam voran, aber Michel will es unbedingt schaffen. In einer Kurve rutscht ihm der Schlitten von der Straße. Er versucht alles, aber alleine bekommt Michel den Schlitten nicht mehr heraus.

 

Er weint sehr. „Es tut mir leid Alfred! Ich krieg den Schlitten nicht raus. Jetzt müssen wir beide hier sterben.“ Als er sich gerade zu Alfred legen will, hört er kleine Glöckchen durch das Heulen des Windes. Er blinzelt und sieht, dass neben ihnen ein Schneepflug angehalten hat. Mit der Hilfe des Kutschers befreit Michel seinen eigenen Schlitten wieder. Dann fährt der Pflug vor ihnen her, bis sie bei dem Arzt in der Stadt ankommen.

 

Im 5. Buch Mose heißt es: „Der HERR aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen.“

 

Gott erwartet nicht, dass wir in eine Art „Vorleistung“ treten, indem wir um Hilfe bitten oder uns erst selbst helfen. Er ist immer um uns – seine Hilfe bekommen wir nicht erst, wenn wir darum bitten. Oft genug hilft er uns, ohne dass wir es direkt bemerken. Und manchmal eben in der Gestalt eines Schneepfluges.

Vikarin Katharina Brühl

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