Osternacht

Reinhard Fiola

Ich betrete die dunkle Kirche; nur das Licht im Eingangsbereich fällt durch die Tür und lässt mich ahnen, wo die Bänke stehen.
Ich höre Menschen tuscheln, hüsteln. Ansonsten: Stille.
Ich halte eine kleine Kerze in der Hand. Sie leuchtet nicht – noch nicht.
Die Turmuhr schlägt einmal.

Plötzlich nehme ich einen kleinen flackernden Lichtschein wahr; eine Stimme singt: „Christus, Licht der Welt.“ Ich stimme mit allen anderen ein: „Gott, sei ewig Dank.“
Der Kerzenträger hält in der Mitte der Kirche noch einmal an. Wieder die Stimme; wieder die Antwort. Ein drittes Mal vor den Stufen des Altars.

Von der Osterkerze wird das Licht in die Bänke gegeben. Immer mehr Licht, von Kerze zu Kerze.
Wundersam, wie das Licht der kleinen Kerzen einen großen Kirchenraum ausfüllen kann.
Wunderschön, wie sich warm und geborgen anfühlt.
Osternacht.

Die Turmuhr schlägt 12mal. Der Ostermorgen bricht an. Die Orgel stimmt das österliche Halleluja an; die Osterbotschaft wird gelesen; wir singen: „Christ ist erstanden.“
Dunkel wird Licht. Tod wird Leben.

„Der Vater wird dem Sohn noch größere Werke zeigen, so dass ihr euch verwundern werdet.“ So lesen wir beim Evangelisten Johannes.
Ja, in der Tat: ich wundere mich.
Und ich werde es wieder tun.
Jedes Jahr zu Ostern wieder.

Pastor Reinhard Fiola

Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, sodass ihr euch verwundern werdet.Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Johannes 5,19-21

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