Ostermontag

Kay Oppermann

Jesus ist auferstanden. Das kann ich singen, an jede Kirchentür sprühen oder auf Facebook posten. Davon glaubt mir das keiner. Diese Wahrheit braucht Zeit und einen ganz persönlichen Weg. Von diesem Weg erzählt die Geschichte von zwei traurigen Männern. Sie glauben, dass Jesus tot ist. Ihre Träume und Hoffnungen, alles vorbei.

 

Wie zufällig begegnen die beiden auf ihrem Weg einem fremden Mann. Ich sehe die drei richtig vor mir. Zwei mit gesenktem Kopf, einer erzählt mit leuchtenden Augen.

 

Schon beim Lesen schmecke ich den Staub auf dem Weg, spüre die Erregung der Männer und sehe ihre pulsierenden Schläfen geradezu vor mir. Plötzlich bin ich mittendrin, wie ein stiller Beobachter. Kann nichts sagen, nichts tun, höre jedoch alles mit.

 

„Bist Du der Einzige, der nicht weiß, was passiert ist?“ fragen die beiden den Fremden. In meiner Phantasie ist mittlerweile rundherum die Hölle losgebrochen –  Feuer, zerstörte Häuser, verbrannte Steppe, und diese drei vor mir ringen um Heilung für die ganze Welt. „Das ist Jesus. Er ist auferstanden“, schreie ich, aber keiner hört mich.

 

Und dann auch noch das: Jesus tut so, als wolle er weitergehen. Ich rufe weiter, will die beiden irgendwie erreichen. Aber ich bin immer weiter weg. Unerkannt? Getrennt? Verloren?

 

Nein, die beiden bekommen es hin, essen, sehen, verstehen, der Funke springt über und heilt Stück für Stück die heillose Welt drumherum. Langsam erlöschen die Feuer. Lebensenergie breitet sich aus. Lebendig, grün.

 

Jetzt hören mich alle: Jesus ist auferstanden. Mit dieser Botschaft kehre ich in die Gegenwart vom ersten aller Osterspaziergänge zurück.

 

Pastor Kay Oppermann

Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.  Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.  Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs?

Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?  Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;  wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.

Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.  Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,  haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.  Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?  Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.  Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.  Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.  Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen.  Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;  die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.  Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.

Lukasevangelium 24,13-35

 

 

 

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